Themenjahr 2025/2026: "Dritte Orte"
Mit dem Themenjahr 2025/26 widmet sich die Stadt Oberhausen der Frage, welche Bedeutung sogenannte „Dritte Orte“ für das städtische Leben haben und welche Potenziale sie für die Zukunft bieten.
„Dritte Orte“ sind Räume jenseits von Zuhause und Arbeit, die Begegnung, Austausch und Gemeinschaft ermöglichen. Sie sind Orte, an denen Menschen zusammenkommen, unabhängig von Herkunft, Alter oder sozialem Hintergrund. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Miteinander in unserer Stadt.
Im Themenjahr „Dritte Orte“ möchten wir diese besonderen Räume in den Blick nehmen: Was zeichnet sie aus? Welche Rolle spielen sie für soziale Teilhabe, kulturelles Leben und den Zusammenhalt in Oberhausen? Und wie können sie in Zukunft gestärkt werden?
Difu-Projekt "Dritte Orte als Inkubatoren für das Gemeinwesen"
Gemeinsam mit weiteren deutschen Großstädten beteiligt sich Oberhausen am Projekt „Dritte Orte als Inkubatoren für das Gemeinwesen“ des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu). Ziel ist es, die Bedeutung sogenannter Dritter Orte für mehr Gemeinschaft und Zusammenhalt in den Städten zu untersuchen.
Im Rahmen des Projekts wird unter anderem folgenden Fragen nachgegangen:
- Welche Orte braucht das Gemeinwesen?
- Inwieweit kann das Gemeinwesen (wieder) zentrale Orte besetzen?
- Wie können Dritte Orte gezielt(er) für eine Stärkung des Gemeinwesens auf- und umgebaut werden?
- Welche Einzelaspekte wie (innen-)architektonische Gestaltung und inhaltliche Angebote, Finanzierung und Betreibermodelle, Erreichbarkeit und räumlicher Einzugsbereich spielen dabei eine wesentliche Rolle?
Weitere Informationen finden Sie auf der Projektseite des Difu.
Auftaktveranstaltung "Wo wir uns begegnen"
Das Oberhausener Themenjahr „Dritte Orte“ wurde am 1. Oktober 2025 mit einer Auftaktveranstaltung im Wissenschaftscampus NRW gestartet. Rund 50 Teilnehmende aus Verwaltung, Politik und Praxis diskutierten über die Bedeutung von Orten der Begegnung für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Teilhabe und soziale Integration. Zum Auftakt ordnete Dr. Thomas Franke vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) das Thema in aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen ein und verdeutlichte die Relevanz Dritter Orte für Städte und Quartiere. Dr. Petra Potz vom Büro Location³ zeigte auf, wie Dritte Orte gezielt in Quartiers- und Stadtplanung integriert werden können und betonte dabei die Bedeutung unkonventioneller Ansätze. Dr. Kathrin Mädler vom Theater Oberhausen gab praxisnahe Einblicke in die Rolle kultureller Einrichtungen als Orte der Begegnung und des Austauschs.
In der anschließenden Diskussion wurden Chancen, Herausforderungen und Entwicklungsperspektiven Dritter Orte in Oberhausen thematisiert. Dabei wurde hervorgehoben, dass sowohl organisierte als auch spontane Begegnungsräume wichtig für das gesellschaftliche Miteinander sind. Zudem wurde deutlich, dass es in Oberhausen bereits zahlreiche Dritte Orte gibt, diese jedoch teilweise noch stärker sichtbar gemacht und besser miteinander vernetzt werden könnten.
Die Auftaktveranstaltung bildete den Startpunkt für das weitere Themenjahr „Dritte Orte“
Diskussionsveranstaltung "Begegnung (un)erwünscht? - Öffentliche Räume im Spannungsfeld von Begegnung, Akzeptanz und Rücksichtnahme"
Am 7. Mai 2026 fand die Diskussionsveranstaltung „Begegnung (un)erwünscht? – Öffentliche Räume im Spannungsfeld von Begegnung, Akzeptanz und Rücksichtnahme“ statt. Gemeinsam mit Gästen aus Forschung, Quartiersarbeit und kommunaler Praxis wurde über die Bedeutung öffentlicher Räume als Orte der Begegnung sowie über Nutzungskonflikte, Sicherheitswahrnehmungen und gesellschaftlichen Zusammenhalt diskutiert.
Ralf Zimmer-Hegmann vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) ordnete die Rolle öffentlicher Begegnungsorte für gesellschaftliche Teilhabe und Zusammenhalt ein. Dennis Zilske vom Planerladen gGmbH berichtete aus der Quartiersarbeit in der Dortmunder Nordstadt und betonte die Bedeutung langfristiger Präsenz, Beteiligung und Arbeit auf Augenhöhe. Stefan Scholz vom Quartiersmanagement Bremer Platz in Münster gab Einblicke in den Umgang mit Nutzungskonflikten und die Neugestaltung einer öffentlichen Freiflächeim Umfeld des Hauptbahnhofs Münster.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass öffentliche Räume wichtige Orte gesellschaftlicher Aushandlung bleiben. Hervorgehoben wurden insbesondere die Bedeutung langfristiger Quartiersarbeit, die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure sowie der offene Umgang mit Konflikten und unterschiedlichen Nutzungsansprüchen. Zudem wurde diskutiert, wie öffentliche Räume gestaltet werden können, um Begegnung zu ermöglichen, ohne bestimmte Gruppen auszuschließen.
Diskussionsveranstaltung "Kirchen als Begegnungsräume der Zukunft – offen für Kultur, Gemeinschaft und gesellschaftlichen Dialog"
Wie können Kirchen angesichts rückläufiger Gemeindemitgliederzahlen und zunehmender Leerstände künftig als offene Orte der Begegnung, Kultur und Gemeinschaft erhalten und weiterentwickelt werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich die zweite Diskussionsveranstaltung des Themenjahres „Dritte Orte“ am 14. Juli 2026.
Dr. Martin Florack eröffnete die Veranstaltung und betonte die Bedeutung von Kirchen als zukünftige Begegnungsorte. Anhand von Beispielen aus Utrecht und Basel wurde gezeigt, wie Kirchenräume erfolgreich als offene Begegnungsorte und Cafés nachgenutzt werden können.
Prof. Dr. Welzel (TU Dortmund) erläuterte anschließend die Bedeutung von Kirchenräumen als Gemeingüter. Sie stellte das „Manifest für eine neue Verantwortungsgemeinschaft“ vor, das einen neuen Umgang mit Kirchenbauten und ihren Ausstattungen fordert. Als Teil des kulturellen Erbes und als öffentliche Räume können Kirchen demnach nicht allein von den kirchlichen Institutionen erhalten werden. Das Manifest plädiert daher für eine breit aufgestellte Verantwortungsgemeinschaft aus Kirchen, Staat, Gesellschaft und weiteren Akteuren sowie für neue Formen der Trägerschaft. Kirchen können dabei als Dritte Orte verstanden werden – als niedrigschwellige Treffpunkte, die Menschen zusammenbringen, Gemeinschaft ermöglichen und gesellschaftlichen Austausch sowie demokratische Teilhabe fördern. Als sogenannte „Vierte Orte“ können sie darüber hinaus als offene, gemeinschaftliche und kulturell geprägte Orte des alltäglichen Zusammenkommens wirken.
Felix Hemmers von Baukultur NRW stellte anschließend Beispiele gelungener Umnutzungen von Kirchengebäuden vor. Dabei wurde deutlich, dass Kirchenräume sowohl Orte der Begegnung und des Austauschs als auch Räume der Ruhe und Besinnung sein können. Zugleich kündigte Baukultur NRW die Veröffentlichung eines Leitfadens für Kommunen zur Entwicklung und Nachnutzung von Kirchenräumen an. Auch hier wurde die gemeinsame Verantwortung von Kirchen und Kommunen für den Erhalt und die Weiterentwicklung dieser identitätsstiftenden Gemeingüter hervorgehoben.
Ein konkretes Praxisbeispiel präsentierte Architekt Peter Lammsfuß von zwo+ Architekten mit dem Umbau der Bernarduskirche in Sterkrade. Er gab Einblicke in das Planungskonzept und die baulichen Herausforderungen des Projekts. Als wichtige Erfolgsfaktoren wurden dabei insbesondere die enge Zusammenarbeit zwischen Pächtern, Cateringbetrieb und Kirchengemeinde hervorgehoben.
In der abschließenden Diskussionsrunde tauschten sich die Referentinnen und Referenten sowie Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche über die Herausforderungen bei der Umnutzung von Kirchen aus. Dabei wurde deutlich, dass die Entwicklung aufgegebener Kirchen nicht allein Aufgabe der Kirchen sein kann. Vielmehr braucht es einen engen Dialog zwischen Kirchen, Kommunen, Investoren und weiteren Akteuren, um tragfähige und nachhaltige Nachnutzungskonzepte zu entwickeln. Entscheidend ist, geeignete Partner mit überzeugenden Konzepten zusammenzubringen, um die Standorte langfristig zu sichern und einer neuen Nutzung zuzuführen.
WICA-Podcast #18 "Von Marktplätzen und Dritten Orten"
An jedem ersten Freitag im Monat diskutiert Prof. Dr. Martin Florack mit verschiedenen Gästen über die politische Dimensionen von Transformation. In Folge 18 des WICA-Podcasts spricht er mit Dr. Rainald Manthe über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen Dritter Orte.